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Was ist eigentlich Suchtprävention?

"Sucht ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und Suchtprävention deshalb eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Um der Entwicklung und Aufrechterhaltung von Missbrauchs- und Suchtverhalten entgegenzuwirken, ist es nötig, suchtfördernde Faktoren zu verringern und gleichzeitig individuelle und gesellschaftliche Ressourcen im Sinne der Gesundheitsförderung zu mobilisieren. Suchtprävention meint Maßnahmen, die das Ziel haben, der Entwicklung von Suchtverhalten, unabhängig von jeweiligen Suchtmitteln, vorzubeugen." (HLS/Manual Suchtprävention Hessen 1/06.00)

Man unterscheidet grundsätzlich drei Formen der Suchtprävention, die sich aus Art und Zeitpunkt der Intervention und den entsprechenden Alters- und Zielgruppen ergeben.

"Primärprävention meint Maßnahmen und Interventionen, die vor dem Auftreten irgendwelcher Symptome und Auffälligkeiten verhütend und vorbeugend ansetzen. Primärprävention richtet sich an Noch-nicht-Betroffene und Noch-nicht-Gefährdete. Sie setzt bei den Ursachen für süchtiges Verhalten an und fördert deshalb individuelle Lebenskompetenz und gesunde Lebensbedingungen.

Sekundärprävention befasst sich mit Risikogruppen und ihren entstehenden oder bereits existierenden Problemen. Es ist davon auszugehen, dass Maßnahmen, die Jugendliche oder Erwachsenen als Zielgruppe haben, weit gehend als Sekundärprävention angesehen werden müssen. Mit vorliegenden Rausch- und Missbrauchserfahrungen gewinnt hier, neben der Vermittlung von Lebenskompetenz, auch die Reflexion von Konsum- und Missbrauchsverhalten an Bedeutung. Sekundärpräventive Maßnahmen haben das Ziel, schädliche Entwicklungen abzuwenden, Risiken zu reduzieren und ihre negativen Folgen zu verhindern oder zumindest zu begrenzen.

Tertiärprävention beinhaltet die Reflexion und Gestaltung von Lebensbedingungen (ehemals) Abhängiger mit dem Ziel einer befriedigenderen Lebensführung. Sie beinhaltet auch die Schaffung von gesellschaftlichen Bedingungen die dazu beitragen, Rückfälle in Missbrauchs- und Suchtverhalten zu vermeiden.

Die hier vorgestellten Schwerpunktbereiche der Suchtprävention weisen in der Praxis präventiver Arbeit mit unterschiedlichen Zielgruppen fließende Grenzen und Überschneidungen auf.


 

Prinzipien einer erfolgreichen Suchtprävention

In den 80er-Jahren wurde eine konzeptionelle Wende in der Suchtprävention vollzogen. Die Suchtprävention verlagerte ihren Schwerpunkt von der drogenspezifischen Aufklärung hin zur Kompetenzförderung mit Entwicklungsbezug und Lebensweltorientierung.

Heute stehen nicht mehr einzelne Substanzen, deren Wirkungsweisen und daraus resultierende Gefährdungen im Vordergrund der Aufmerksamkeit präventiver Maßnahmen, sondern die Zielsetzung, Alternativen zum Substanzmissbrauch aufzuzeigen, zu entwickeln und anzubieten.

Seit den 90er-Jahren orientiert sich Suchtprävention stark an Zielen und Konzepten der Gesundheitsförderung. Suchtprävention als Teilbereich der Gesundheitsförderung praktiziert den Ansatz der Lebenskompetenzförderung. Der Paradigmenwechsel der Suchtprävention besteht darin, nicht mehr nur Risikofaktoren, die zu einer Suchtentwicklung führen können, sondern vor allem Schutzfaktoren, die Menschen gesund erhalten, als wichtige Ressourcen zu erkennen und in den Mittelpunkt suchtpräventiver Maßnahmen zu stellen.

Dem konzeptionellen Ansatz von Suchtprävention als Teilbereich von Gesundheitsförderung liegt die Erkenntnis zu Grunde, dass Menschen die über Ressourcen personeller, sozialer und materieller Art verfügen, die sie in die Lage versetzen, Belastungen besser zu bewältigen, die besten Chancen haben gesund zu bleiben. Gesundheit wird also als Balanceleistung im Spannungsfeld von gegebenen Risikofaktoren und protektiven Ressourcen verstanden.

Schutz- oder protektive Faktoren stärken das Individuum gegenüber den Gefahren des Substanzmissbrauchs und verringern die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von Missbrauchs- oder Suchtverhalten. Protektive Faktoren werden sowohl auf der Ebene der individuellen Persönlichkeitsentwicklung als auch durch die gesamtgesellschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen des Individuums wirksam.

Als bedeutende protektive Faktoren, die Schutz vor Missbrauchs- oder Suchtverhalten bieten können, sind nach aktuellem Kenntnisstand zu betrachten: Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeitsgefühl, adäquate Kommunikationsfähigkeit, Handlungskompetenzen, die Fähigkeit zum kompetenten Umgang mit Stresssituationen und Konflikten, Eigenaktivität und -verantwortung, realistische Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten, gute soziokulturelle Bedingungen, ein positives Familienklima und verständnisvolle Bezugspersonen, gute Einbindung in soziale Netze.

Um eine gesicherte empirische Basis für zukünftige präventive Maßnahmen zu schaffen, wurden 1990-93 im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit zwei Expertisen zur Primärprävention des Substanzmissbrauchs erstellt. In diesen Studien wurden vom Institut für Therapieforschung in München nationale und internationale Konzepte und Programme im Hinblick auf ihre Wirksamkeit ausgewertet. Die Expertisen kommen zu dem Ergebnis, dass Suchtprävention unter folgenden Voraussetzungen wirksam ist:

  • Förderung von Lebenskompetenzen statt Abschreckung

  • Kinder und Jugendliche nicht erst, wenn sie gefährdet sind, sondern frühzeitig ansprechen

  • Langfristige kontinuierliche Programme statt kurzfristiger einmaliger Aktionen

Die Ergebnisse des Bundesmodellprogramms "Mobile Drogenprävention" das von 1990 bis 95 in den neuen und alten Bundesländern durchgeführt und von der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren koordiniert und evaluiert wurde, bestätigen und ergänzen die oben genannten Prinzipien. Präventionsansätze sollten, um wirksam zu sein:

  • ganzheitlich ausgerichtet und ursachenorientiert sein

  • adressatenbezogen sein (zielgruppen-, alters- und geschlechts-spezifisch)

  • langfristig angelegt sein und prozessorientiert vorgehen

  • sowohl kommunikative als auch strukturelle Maßnahmen umfassen

  • sowohl suchtmittelunspezifische als auch suchtmittelspezifische Elemente enthalten.


Suchtprävention als Teilbereich der Gesundheitsförderung erfordert eine ganzheitliche Vorgehensweise, die sowohl die individuelle Person als auch deren Lebensbedingungen im Blickfeld hat. Suchtprävention hat also die Aufgabe auf die Förderung und Stärkung der einzelnen Person und auf die Verbesserung individueller und gesamtgesellschaftlicher Lebensbedingungen einzuwirken, indem sie suchtfördernde Faktoren aufzeigt und auf deren Veränderung hinwirkt.

Suchtpräventive Maßnahmen sollten deshalb auf mehreren Ebenen angesiedelt sein und folgende Bereiche umfassen:

  • Personalkommunikative Maßnahmen: Arbeit mit unmittelbaren Zielgruppen und mit Multiplikatoren.

  • Massenkommunikative Maßnahmen: Kampagnen in Printmedien oder audiovisuellen Medien (TV, Kino), Plakate, Broschüren.

Strukturelle und politische Maßnahmen: Rahmenbedingungen für die Arbeit der Suchtprävention entwickeln und sichern und auf Bedingungen und Strukturen einzuwirken, die ein gesundes Leben fördern und ermöglichen.

Die Wirksamkeit einzelner präventiver Maßnahmen kann durch eine Vernetzung der unterschiedlichen Aktionsebenen verbessert werden. Um die notwendige langfristige Sicherung effektiver Präventionsarbeit zu Gewähr leisten, sind koordinierte Aktivitäten auf Bundes-, Länder und kommunaler Ebene nötig. Auf allen Ebenen (Bund, Länder, Kommunen) ist der kontinuierliche Erfahrungsaustausch, die Kooperation und Verzahnung von Maßnahmen der verschiedenen in der Suchtprävention tätigen Bereiche zu Gewähr leisten. Dazu sind eine Vielzahl unterschiedlicher Kooperationspartner mit spezifischen Aufgaben- und Handlungsfeldern zusammenzubringen und für das gemeinsame Anliegen der Suchtprävention zu koordinieren.

Für die Beurteilung und Weiterentwicklung der Konzepte und Methoden ist eine kontinuierliche Dokumentation und Evaluation sucht-präventiver Maßnahmen zukünftig unerlässlich. Eine wichtige aktuelle Aufgabe und Zielsetzung der Suchtprävention ist es deshalb, die Entwicklung von überprüfbaren Qualitätsstandards voranzutreiben.

Effektive und wirksame Suchprävention erfordert personelle und finanzielle Ressourcen d.h. eine langfristig gesicherte, adäquate materielle und administrative Ausstattung.

Diese gesellschaftliche Investition kann gleichzeitig erhebliche finanzielle Mittel einsparen, wenn es gelingt, dem weitere Ansteigen von Missbrauchs- und Suchtverhalten entgegenzuwirken." (HLS/Manual Suchtprävention Hessen 1/06.00)

Quelle: HLS

 

 

 

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